HALBZEIT-BILANZ - Bürgermeister Bartl über erste Zeit im Amt

„Anfangs hatte ich noch Welpenschutz“ – Asylpolitik als Herausforderung

Quelle: Bernd Heinzinger im Erdinger Anzeiger vom 12. August 2023

Will in drei Jahren nochmal kandidieren - Neuchings Bürgemeister Thomas Bartl (CSU) Foto: Bernd Heinzinger-

Die erste Hälfte der aktuellen Legislaturperiode ist vorbei. Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Inflation: Die Bürgermeister und ihre Gemeinderäte hatten keine leichten drei Jahre. Zeit für eine Halbzeit-Bilanz. Heute: Neuchings Bürgermeister Thomas Bartl (33, CSU).

Herr Bartl, als sie ins Rathaus einzogen, wütete gerade frisch die Corona-Pandemie. Machte das Ihren Start schwerer?

Eigentlich bedeutete dies für mich einen recht entspannten Start. Es gab keine Termine, keine Veranstaltungen. Die Arbeit konzentrierte sich aufs Rathaus. Ich kannte die andere Seite ja nicht, daher sah ich erst einmal keine Nachteile. Mein Vorgänger Hans Peis meinte, dass ich mich nicht daran gewöhnen sollte. Aber für den Beruf des Bürgermeisters gibt es sowieso keine Stellenbeschreibung. Ich musste alles auf mich zukommen lassen, arbeitete mich aber schnell ein.

Wie zufrieden sind Sie mit ihren ersten drei Jahren im Amt?

Insgesamt kann ich von durchaus sehr positiven rund 1000 Tagen sprechen. Natürlich gab es auch Momente, wo ich mich fragte, warum ich mir das angetan habe. Besonders dann, wenn mir jemand etwas unbegründet an den Kopf warf, ich dadurch menschlich enttäuscht wurde. Aber selbst bei bestmöglichen Kompromissen kann ich es nicht jedem recht machen, und diese Tage waren auch sehr selten. Vielleicht drei oder vier von den erwähnten 1000. Aber generell ist die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung absolut lobenswert, bei uns ziehen alle an einem Strang. Ich bin daher mit unserem Arbeiten sehr zufrieden und stolz auf das, was wir in den drei Jahren auf die Beine stellten.

Mit 29 Jahren wurden Sie in einem sehr jungen Alter ins Amt gewählt. Hatten Sie zu Beginn Schwierigkeiten, die Herausforderungen zu meistern – und wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung?

Anfangs hatte ich noch Welpenschutz (lacht) und kam sicherlich auch schüchtern und zaghaft rüber. Mittlerweile bin ich aber deutlich taffer und mutiger, fühle mich deutlich fester im Sattel. Das liegt auch an den vielen positiven Rückmeldungen, die häufiger kommen als Kritik. Dass mein Selbstvertrauen gestiegen ist, daran hat zudem die hervorragende Verwaltung einen großen Anteil. Ob die Chefin Andrea Knauer oder das Bauamt, alle packen mit an für die Entwicklung der Gemeinde.

Sie erwähnten die gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Was macht diese aus?

Hier in Neuching ticken die Uhren wohl etwas anders. Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang, jeder entscheidet nach seiner persönlichen Meinung. Keiner ist dem anderen böse, und die Harmonie überwiegt. Das begann bereits bei meinem Vorvorgänger, und ich will dies bewahren. Nach der Gemeinderatssitzung geht’s gemeinsam zum Wirt, und wir diskutieren ungezwungen weiter. Das macht schon Spaß.

Die Großprojekte Sporthalle und Kinderhaus prägten die letzte Zeit. Nicht alles passte, der Zeitplan wankte. Wie viele Nerven kostete Sie das?

Ziemlich viele, aber nicht nur mich, sondern vor allem Bauamtsleiter Erhard Huber und den ganzen Gemeinderat. Wenn man erfährt, dass etwa der Estrich in der Halle überhaupt nicht passt, ärgert einen das immens. Aber es gibt wohl keine Großprojekte, wo es nicht hakt, und bis auf Kleinigkeiten passt es jetzt. Und wenn ich dann wie beim Tag der offenen Tür sehe, wie super die neue Sporthalle angenommen wird, dann freut mich das sehr. Über 30 Kinder spielten dort ohne jegliche Streitigkeiten – dafür haben wir sie gebaut. Und ohne die Sporthalle würde es auch den Kindergarten an der Stelle nicht geben, das muss auch einmal klar gesagt sein.

Die beiden Projekte kosteten eine Menge Geld, der Haushalt ist angespannt. Wie will die Gemeinde hier gegenwirken?

Bei den Kosten im hohen Millionenbereich ist es für eine kleine Kommune klar, dass sie sich strecken muss. Wir haben die Hebesätze bereits nach oben angepasst und müssen sparsam wirtschaften. Die Frage lautet außerdem, ob wir die Gewerbegebiete erweitern können, Anfragen liegen einige vor. Dies zu bewerkstelligen, bedeutet eine große Herausforderung für die nähere Zukunft. Außerdem wird uns die Aufstellung des Flächennutzungsplans künftig beschäftigen.

Welche Herausforderungen sehen Sie ansonsten auf Neuching zukommen?

Die Flüchtlingswelle auf jeden Fall. Ab 1. Januar 2024 kommen die ersten zu uns. Dies wird sowohl für die Gemeinde, als auch für den Arbeitskreis Senioren, Soziales und Asyl spannend. Die Asylpolitik wird aber für ganz Deutschland eine Herausforderung. Die Probleme, welche Angela Merkel zu verantworten hatte, verschärfen sich durch unsere aktuelle Bundesregierung. Die Frage lautet, wohin das Ganze noch führen soll. Denn wenn die eigenen Leute leiden, dann hörts irgendwann auf. Dieser Punkt ist meiner Meinung nach bereits überschritten. Aber auch die wirtschaftliche Situation bereitet Sorgen, viele Branchen leiden unter den derzeitigen Entwicklungen.

Dieses Jahr prägt das Synodenjubiläum das Geschehen in Neuching. Wie zufrieden sind sie bislang?

Bislang ist alles absolut herausragend gelaufen, und auch die kommenden Events wie der Mittelaltermarkt mit Konzert oder das Kirtafest werden sicherlich großartig. Wir haben intern schon spaßeshalber gesagt, dass wir nach dem Jahr eine Event-Agentur aufmachen könnten. Auf alle Fälle haben sich alle Helfer anschließend eine große Nachfeier verdient.

Die Hälfte ihrer Amtszeit ist geschafft. Kandidieren Sie in drei Jahren erneut?

Wenn ich darf, werde ich es auf alle Fälle noch einmal machen. Mir macht die Arbeit Spaß, und hier will ich explizit noch einmal meinen Vorgänger Hans Peis loben. Er unterstützt mich in vielen Bereichen, und in Neuching steht generell das Große und Ganze im Vordergrund. Ich will mich auch weiterhin für die Verbesserung der Lebensqualität einsetzen, was allerdings nicht immer leicht ist.

Was meinen Sie damit?

Etwa die Baupreise. Es wollen viele Einheimische bauen, aber das wird angesichts der riesigen Summen schwer. Als Gemeinde kannst du da leider kaum gegensteuern, und das sorgt durchaus für Frust.

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