Für die Sicherheit von Mensch und Tier muss am Mittleren Isarkanal etwas unternommen werden. Unter anderem darüber ging es beim CSUGespräch mit Thomas Schreder, Kreisjagdverbandschef und Landtagskandidat der Partei.

Waldruheräume für Tiere, eine maßvolle Versiegelung von Flächen sowie Verkehr und Infrastrukturmaßnahmen: Der Umgang mit der Natur stand im Mittelpunkt eines Gesprächs mit Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Erding. Der Landtagskandidat war auf Einladung der CSUOrtsverbände Finsing, Neuching, Ottenhofen und Oberding ins Gasthaus Alter Wirt nach Oberneuching gekommen.

Sprach zu seinen Parteikameraden: Thomas Schreder (l.).D0

Kritik und Handlungsbedarf sehen die Bürger beim Mittleren Isarkanal, der 2009 saniert wurde. „Mittlerer Isar Kanal – umweltfreundliche Energiegewinnung oder Todesfalle für Tiere?“, fragte Schreder plakativ. Grund sei die Auskleidung des Kanals mit schwarzer Folie. Diese mache es vielen Tieren unmöglich, sich selbst wieder aus dem Kanal zu befreien. Deshalb müsse immer wieder die Wasserwacht zu Rettungsaktionen gerufen werden trotz einiger Gitter-Ausstiegshilfen. „Rehe lernen dazu. Man soll sich mit Hunden fernhalten, weggehen, das Reh in Ruhe lassen und auch nicht gleich die Feuerwehr holen“, meinte ein Gast.

 „Wir haben viele negative Reaktionen auf die Schilder bekommen“, sagte Schreder zu den Tafeln mit dem Hinweis, dass Hunde dort an der Leine zu führen sind. „Könnte man nicht einen speziellen Wildzaun am Isarkanal anbringen wie an der Flughafentangente Ost?“, wollte ein Zuhörer wissen. Schreder will dieses Thema aufgreifen, sieht aber dadurch „die touristische Nutzung des Kanals eingeschränkt“.

Im Bereich Oberding/Eitting ist die Situation entspannter, die liegenden Schlingpflanzen sind hilfreich für Wildtiere, um sich selbst zu befreien. „Auf der schwarzen Folie verbrennt so eine Pflanze. Deshalb ist das hier nicht mehr möglich“, so Schreder. „Warum durfte dann überhaupt so gebaut werden?“, hakte ein Zuhörer nach. Schreder: Die damalige Umweltverträglichkeitsprüfung sei positiv und mit den entsprechenden Behörden abgestimmt gewesen.

Die einhellige Meinung der rund 50 Gäste: Es muss etwas getan werden, um Tiere und Menschen vor dem Kanal zu schützen. „Betreiber tun das, was sie tun müssen. Aber darüber hinaus wird es schwierig“, meinte Schreder. „Per durchlässige Kanal war unter anderem schuld, dass Wasser in die Häuser kam“, brachte Neuchings Bürgermeister Hans Peis ein Argument pro Kanalsanierung vor.

 Der Landkreis Erding umfasse rund 80 000 Hektar Fläche, der Waldanteil liegt laut Schreder bei gut 14,5 Prozent. „Da ist nichts außer Ruhe“, so der 52Jährige. „Es muss eine Regelung rein, sonst wird über kurz oder lang das System kollabieren.“ Es brauche Betretungsregelungen für die Bereiche Freizeit, Hunde und

Reiter sowie Nutzungsregelungen in der Forstwirtschaft. Auch Eingriffe in die Jagd mit der Reduzierung des Abschusses in bestimmten Bereichen seien erforderlich. „Das ist aber ein relativ kontroverses Thema“, räumte er ein.

Knapp 70 Prozent der 80 000 Hektar im Landkreis würden landwirtschaftlich genutzt, zwölf Prozent seien Siedlungs- und Verkehrsflächen. „Natürlich wird eine Nordumfahrung wieder Flächen brauchen, aber es wird eine enorme Entlastung sein“, so Schreder. Für die knapp neun Kilometer lange Strecke würden 35 Hektar versiegelt und 33 Hektar an Ausgleichsflächen nötig. Es gebe 1700 Einwendungen, die alle abgearbeitet werden müssten.

Ein weiteres Verkehrsthema ist die FTO, auf der es viele Wildunfälle gibt. Insgesamt werden im Landkreis jährlich rund 950 Rehe überfahren. Das seien die registrierten Unfälle, die Dunkelziffer liege weitaus höher. „Die Wildtiere sieht man oft nicht mehr rechtzeitig“, so Schreder. Aktiv könne hingegen jeder etwas gegen das Insektensterben tun. Heimische Blühmischungen statt fremde Blütenprachten auszusäen, Verzicht auf Pestizide  soweit möglich  und Wasserstellen im Garten seien nur einige von vielen Möglichkeiten. Der Natur auch mal ihren freien Lauf lassen: „Die Insektenvielfalt honoriert die Unordnung“, weiß der Fachmann.

Die regenerativen Energien brannten Schreder unter den Nägeln. Die Bilanz im Landkreis sei gut: Es würden bereits 124 Prozent der benötigten Energie aus regenerativen Energien erzeugt, davon 63 Prozent aus Wasserkraft und 39 Prozent aus Biogas/Biomasse. Es muss aber nicht immer der Mais sein, der in die Biogasanlage kommt: „Es gibt spezielle artenreiche Wildblühmischungen“, so Schreder. Diese verschönerten während der Blüte die Landschaft und hätten einen Verlust von nur zehn bis 15 Prozent in Biogasanlagen. Sparen könne sich der Bauer Düngungen und Diesel.

Quelle: DANIELA OLDACH im Erdinger Anzeiger vom4. September 2018

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